Temperaturmessung

Überwachung der Wassertemperatur

Die Wassertemperatur eines Gewässers ist ein zentraler Faktor für Lebewesen und bestimmt beispielsweise die Verbreitung von Fischarten. Durch Wasserkraftnutzung, andere direkte menschliche Einflüsse, aber auch durch den Klimawandel kann der natürliche Temperaturverlauf eines Gewässers stark verändert werden.

Um die räumlichen und zeitlichen Unterschiede der Temperaturen im Einzugsgebiet der Sitter, den Einfluss der Kraftwerke und der Abwasserreinigungsanlagen und eine allfällige Erwärmung durch Regenwasser aufzuzeichnen, wurde von den zuständigen Stellen des Kantons ein Monitoring der Wassertemperatur aufgebaut. Über fünf Jahre lang wurde zusätzlich zu den 3 bestehenden Messstationen an 15 Messstellen (bestehend oder Projektmessstellen) entlang der Sitter von Appenzell bis Bischofszell die Wassertemperatur gemessen. Im Auftrag der Sitterkommission erstellte das Amt für Wasser und Energie einen Detailbericht für die Messdaten von 2012 bis 2017. Die Wassertemperatur wurde auch im trockenen Folgejahr 2018 an den Messstellen entlang der Sitter erfasst und ausgewertet. Danach wurde das Projektmessnetz 2019 auf 7, resp. in der Zwischenzeit 2024 auf 3 Messstellen reduziert.

Folgende Erkenntnisse konnten mit diesem Wassertemperatur-Monitoring gewonnen werden:

  • Den grössten Einfluss auf die Wassertemperaturen zeigte die direkte Sonneneinstrahlung und der Austausch mit der Luft. Regenereignisse im Sommer führten direkt zu einer Abkühlung der Sitter, insbesondere bei Niederschlagssummen über 10mm. Eine Erwärmung der Sitter durch Regen auf erwärmte versiegelte Flächen der Stadt war nicht ersichtlich. Hierzu wäre eine sehr detaillierte Messung der Wassertemperaturen im Kanalnetz und an den Einleitpunkten in die Sitter notwendig.
  • Temperaturen von 22°C wurden als kurzfristige Maximalwerte an allen Standorten gemessen, ab St.Gallen-Au sogar Temperaturspitzen von über 25°C. Nur in Bischofszell wurden mehrere Tagesmittelwerte über 25°C registriert. In Wittenbach und an der Rotenbrücke wurde dieser Schwellenwert einmalig überschritten. Der Mittelwert der Sitter über die 5 Jahre schwankte zwischen 7.8°C in Appenzell (AI) und 11°C in Bischofszell (TG).
  • Grossen Einfluss zeigte das Kraftwerk Kubel. Im Sommer kühlt das Wasser des Gübsensees die kontinuierliche Erwärmung der Sitter, da der Auslauf beim Kraftwerk bis zu 2.5°C kühler ist als die Wassertemperatur der Sitter. Im Winter erhöht das turbinierte Wasser aus dem Gübsensee die Wassertemperaturen der Sitter und sorgt dafür, dass die Sitter unterhalb St.Gallen weniger zufriert.
  • Auch das Kraftwerk Schützengarten beeinflusste die Wassertemperatur der Sitter. Durch das wenige Wasser in der Restwasserstrecke erwärmt es sich im Sommer schneller und kühlt im Winter bei niedrigen Lufttemperaturen stärker ab. Neben dem Stress durch Schwall/Sunk müssen aquatische Lebewesen auf diesem Gewässerabschnitt die grössten Temperaturamplituden ertragen. An der Rotenbrücke in Häggenschwil waren keinerlei Auswirkungen der Kraftwerke mehr auf die Wassertemperatur messbar. Der Einfluss der Abwasserreinigungsanlage St.Gallen-Au war nur sehr lokal messbar. Die Abwassermenge ist im Vergleich zum Abfluss der Sitter zu klein für eine Beeinflussung.

Eine Auswertung ab 2018 mit den verbleibenden Messstellen (LH2112 Sitter Appenzell, Zusammenfluss Rotbach / Sitter, Sittertobel vor ARA Au, Restwasserstrecke Schützengarten, SG0201 Sitter Wittenbach) ist in Erarbeitung.

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